Kolloquium auszeichneter Jungwissenschaftler in Schwanau

Von links: Jan Fischer-Wolfarth, Sebastian Banescu, Julia Vinogradska, Michelangelo Villano, Lisa Schmöger, Veronika Schleper, Lorenz Schmitt, Joachim Ullrich
Von links: Jan Fischer-Wolfarth, Sebastian Banescu, Julia Vinogradska, Michelangelo Villano, Lisa Schmöger, Veronika Schleper, Lorenz Schmitt, Joachim Ullrich

Ausgezeichnete Jungwissenschaftler

Alle zwei Jahre benennen die im Stiftungsrat vertretenen Ringträger und Mitglieder der technisch-naturwissenschaftlichen Fachgesellschaften junge Wissenschaftler/innen, die Anlass zu der Vermutung geben, dass sie aufgrund ihres Talents, ihrer Begeisterung und ihrer bisherigen Forschungsergebnisse auch in Zukunft Außergewöhnliches in ihren Fächern leisten werden.

Am 13. Dezember 2017 hat die Stiftung Werner-von-Siemens-Ring sechs herausragende Jungwissenschaftler aus Wirtschaft und Wissenschaft ausgezeichnet. Im Rahmen eines Kolloquiums in der Herrenknecht Academy in Schwanau präsentierten die Jungwissenschaftler ihre Forschungsarbeiten.

Dr. Sebastian Banescu

Sebastian Banescu ist IT-Sicherheitsspezialist bei der BMW AG in München, wo er in verschiedenen Projekten zur Sicherheit vernetzter Autos arbeitet. Im Juli 2017 promovierte Sebastian Banescu mit Auszeichnung, an der Technischen Universität München. Über die Ergebnisse der Promotion werden wir heute mehr erfahren. Das Thema seiner Promotion lautete Charakterisierung der Stärke der Softwareverschleierung gegen automatisierte Angriffe. Das Ziel dieser Arbeit war es, eine Plattform zu entwickeln, die es Softwareverteidigern ermöglicht, einfach auszuwählen, welche Softwareschutzmaßnahmen zum Schutz ihrer Software vor böswilligen Endbenutzern eingesetzt werden sollten. Sebastian Banescu erhielt seinen BSc. in Informatik und Ingenieurwesen, von die Technische Universität Cluj-Napoca in Rumänien und im Jahr 2013 einen MSc. in Informatik und Ingenieurwissenschaften, mit Auszeichnung von der Universität Eindhoven in den Niederlanden.

Dr. Veronika Schleper

Veronika Schleper beschäftigt sich seit 2006 mit Fragestellungen der virtuellen Produktentwicklung. Für ihre Dissertation erhielt sie 2009 den Promotionspreis Energie der Enovos Deutschland AG. Nach der Promotion arbeitete Veronika Schleper in einem interdisziplinären Forschungsprojekt an der Beschreibung von Mehrphasenströmungen. 2010 erfolgte die Aufnahme in den Exzellenzcluster Simulation Technology der Universität Stuttgart, in dem sie ab 2013 die Stelle der Visions-Postdoktorandin für virtuelles Prototyping innehatte. 2011 wurde Veronika Schleper in das Eliteprogramm für Postdoktorandinnen und Postdoktoranden der Baden-Württemberg Stiftung aufgenommen. Veronika Schleper habilitierte sich 2015 im Fach Mathematik und hält seither eine Privatdozentur an der Universität Stuttgart. Seit 2016 arbeitet sie als  Forschungsingenieurin im Zentralbereich Forschung und Vorausentwicklung der Robert Bosch GmbH im Bereich der virtuellen Produktentwicklung für Strömungskomponenten.

Lorenz Schmitt

Ende 2012 schloss Lorenz Schmitt sein Studium der Luft- und Raumfahrttechnik an der Universität Stuttgart mit einer Diplomarbeit zur Regelung von Lenkflugkörpern ab und ist seit 2013 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Flugmechanik und Flugregelung. Dort befasste er sich zunächst mit Bahnplanung und Navigation für Flächenflugzeuge mit Kamera und Inertialsensoren. Als Vertreter einer Klasse von Systemen deren Beobachtbarkeitseigenschaften in enger Wechselwirkung mit dem  Zustandsverlauf stehen, stellt diese Anwendung die etablierte Trennung von Planung und Schätzung in Frage. Das motivierte Herrn Schmitt, die analytische Auseinandersetzung mit jener Wechselwirkung ins Zentrum seiner wissenschaftlichen Arbeit zu rücken. So beschäftigt er sich gegenwärtig mit der Frage, wie der Zusammenhang zwischen den Trajektorien eines Fahrzeugs und der bei der Bestimmung seines Bewegungszustands erreichbaren Genauigkeit in allgemeingültiger Weise zu fassen ist. Die Fortsetzung seiner Aktivitäten, in Zukunft auch im Rahmen eines DFG-geförderten Vorhabens, soll integrierte Ansätze zu Schätzung und Planung hervorbringen, die die Leistungsfähigkeit autonomer Fahrzeugen zielgerichtet und systematisch verbessern.

Lisa Schmöger

Lisa Schmöger studierte an der Humboldt-Universität in Berlin und der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg Physik, wo sie sich während Ihres Studiums schon früh mit der Physik hochgeladener Ionen (HCI) beschäftigte. Ihre Diplomarbeit über ein elektrodynamisches System zum Transfer hoch geladener Ionen in eine kryogene Paulfalle führte Sie am Max-Planck-Institut für Kernphysik durch. In Kombination mit ihren exzellenten Studienleistungen wurde Sie hierfür 2013 mit dem Otto-Haxel-Preis der Universität Heidelberg ausgezeichnet. Im Anschluss forschte Schmöger am Max-Planck-Institut für Kernphysik, in Kooperation mit der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt, zur sympathetischen Kühlung von HCIs in einer Paulfalle, um diese Klasse atomarer Systeme neuen Methoden der Frequenzmetrologie zugänglich zu machen. Die erfolgreiche Implantation von HCIs in einen Kühlionen-Coulombkristall gelang 2014. Die weltweit erstmalige Präparation von HCIs im 10 mK-Bereich, als direkte Voraussetzung für hochpräzise Atomuhren mit HCIs als Taktgebern, konnte erstmals 2016 realisiert werden. Dies ermöglicht mehrere Folgeprojekte, unter anderem zur Hochpräzisionslaserspektroskopie oder neuen Frequenzstandards im XUV, die Schmöger bis zum höchst erfolgreichen Abschluss ihrer Promotion im Sommer 2017 intensiv im Projektteam vorbereitete bzw. begleitete.

Dr. Michelangelo Villano

Nach Abschluss seines Studiums der Telekommunikationstechnik an der Sapienza Universität von Rom in Italien verbrachte Michelangelo Villano ein Jahr bei der Europäischen Weltraumorganisation (European Space Agency – ESA/ESTEC) in den Niederlanden, wo er Verarbeitungsalgorithmen für  Eissondierungsradare entwickelt hat. Seit September 2009 ist er Wissenschaftler beim Institut für Hochfrequenztechnik und Radarsysteme des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), wo er an innovativen Konzepten für Radar mit synthetischer Apertur (SAR) zur Beobachtung der Erde arbeitet. In seiner Doktorarbeit, die er 2016 am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) verteidigt hat, erforscht er das Verfahren des gestaffelten SAR, das derzeit als grundlegender Erfassungsmodus der Tandem-L-Mission angesehen wird. Im Frühjahr 2017 war er Gastwissenschaftler beim NASA Jet Propulsion Laboratory
in Kalifornien, USA.

Julia Vinogradska

Seit 2014 ist Julia Vinogradska in der Zentralen Forschung der Robert Bosch GmbH als Industriedoktorandin tätig. In ihrer Promotion beschäftigt sie sich mit der Analyse von Machine Learning Verfahren, speziell Reinforcement Learning Methoden, die automatisiert die Regelung von unbekannten Systemen lernen. Sie entwickelte unter anderem automatisierte Verfahren, die Stabilitätsgarantien für gelernte Regler und Dynamiken berechnen. Nach Abschluss Ihrer Promotion wird Julia Vinogradska weiterhin in der Zentralen Forschung der Robert Bosch GmbH, im kürzlich gegründeten Bosch Center for Artificial Intelligence (BCAI) daran arbeiten, Machine Learning Verfahren zu analysieren und ihre Funktionalität mit theoretischen Garantien abzusichern.

Zur Stiftung Werner-von-Siemens-Ring

Die Stiftung Werner-von-Siemens-Ring zeichnet herausragende Persönlichkeiten für ihre Leistungen auf technisch-wissenschaftlichem Gebiet aus. Gleichzeitig sieht sie sich dem wissenschaftlichen Nachwuchs verpflichtet. Begeisterung für Technik und das Verstehenwollen, wie die Dinge funktionieren, stehen bei vielen Menschen am Anfang eines naturwissenschaftlich oder technisch geprägten Lebens. Für zukünftige Generationen sind erfolgreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wichtige Vorbilder, die dazu beitragen, die technischen Grundlagen unserer Gesellschaft weiterzuentwickeln und die Begeisterung für Naturwissenschaft und Technik bei jüngeren Menschen zu entfachen.

Die Stiftung Werner-von-Siemens-Ring hat sich daher das Ziel gesetzt, aufstrebende Wissenschaftler/innen durch Auszeichnungen herauszustellen und ihre besonderen Leistungen für die technischen Wissenschaften und unsere Gesellschaft sichtbar zu machen.