Drei Fragen an Oliver Günther

© Karla Fritze / Universität Potsdam

Prof. Oliver Günther Ph. D. wurde am 14. Dezember 2021 vom Rat der Stiftung Werner-von-Siemens-Ring in das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Auch die neuen Ringträgerinnen und Ringträger wurden an diesem Tag in geheimer Wahl bestimmt und Ende Januar 2022 offiziell bekanntgegeben. Die Auszeichnung von herausragenden Jungwissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern steht ebenfalls an. Ebenso wie ein Wechsel im Präsidium der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt: auf Prof. Dr. Dr. h. c. Joachim Ullrich folgt im Mai Prof. Dr. Cornelia Denz. In diesem Jahr ist viel Bewegung in der Stiftung zu verzeichnen. Eine gute Gelegenheit um ins Gespräch zu kommen.

Herr Günther, Sie sind seit 2016 als Vertreter der Gesellschaft für Informatik, deren Präsident Sie von 2012 bis 2013 waren, im Rat der Stiftung Werner-von-Siemens-Ring tätig. Welche inhaltlichen Aspekte an der Stiftungsarbeit interessieren Sie besonders?

Ganz klar die Möglichkeit, naturwissenschaftliche und technische Spitzenleistungen in Deutschland zu identifizieren und angemessen zu würdigen. Wie wir alle wissen, haben die Nazizeit und der II. Weltkrieg auch die deutschen Natur- und Technikwissenschaften sowie den zugehörigen Technologietransfer um Jahrzehnte zurückgeworfen. Erst jetzt können wir wieder an die Erfolgsgeschichte der deutschen Forschung im 19. und frühen 20. Jahrhundert anknüpfen. Hier die richtigen Anreize und internationale Sichtbarkeit zu schaffen, ist für uns alle in der Stiftung ein zentrales Anliegen.

Der stellvertretende Stiftungsratsvorsitz wird für die Dauer von fünf Jahren gewählt. Auf welche Aufgaben freuen Sie sich in dieser Zeit und was sind Ihre Ziele in der Stiftungsarbeit für die nächsten fünf Jahre?

Erstens muss es darum gehen, für die Tätigkeit der Stiftung eine solide finanzielle Basis zu schaffen. Die Irrungen und Wirrungen des 20. Jahrhunderts haben der Stiftung auch finanziell sehr zugesetzt. Hier müssen neue Grundlagen geschaffen werden, und ich bin zuversichtlich, dass uns dies auch gelingen wird. Zweitens muss es darum gehen, dem Preis in der Öffentlichkeit mehr Sichtbarkeit zu verschaffen und eine zeitgemäße Kommunikationsstrategie zu entwerfen und umzusetzen. Auch hier sind wir schon auf einem guten Weg.

Die Stiftung hat in den vergangenen Jahrzehnten mehrere Persönlichkeiten aus dem Bereich der Informatik für ihre Lebensleistungen in den technischen Wissenschaften ausgezeichnet. 1964 Konrad Zuse, der den ersten funktionsfähigen Computer der Welt gebaut hat, 1996 Carl Adam Petri, Entwickler und Namensgeber der „Petri-Netze“ und 2017 Hasso Plattner, dessen Softwaresysteme in Unternehmen weltweit eingesetzt werden. Haben Sie eine Idee wie die nächsten Innovationssprünge in der Informatik aussehen könnten?

Schön, dass Sie mir als Informatiker diese Frage stellen! Da wäre sicherlich das Quantenrechnen zu erwähnen, vor wenigen Monaten wurde ja der erste größere Quantencomputer in Deutschland eingeweiht. Außerdem ist Deutschland weltweit führend im Machine Learning, heute oft mit dem nicht ganz neuen Begriff „Künstliche Intelligenz“ umschrieben. Und schließlich würde ich hier die Digitalisierung der Medizin anführen, in dem Deutschland viel zu bieten hat. Der Werner-von-Siemens-Ring 2021 für Jens Frahm für die verbesserte Anwendung der Magnetresonanztomographie in der Medizin zeigt ja schon in diese Richtung.

Vielen Dank!

Oliver Günther ist diplomierter Wirtschaftsingenieur und promovierter Informatiker. Von 1993 bis 2011 war er Professor für Wirtschaftsinformatik an der Humboldt-Universität zu Berlin, ab 2005 auch Dekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät. Er war Gastprofessor in Berkeley, Paris, Kapstadt und an der ESMT Berlin. Seit 2012 ist Oliver Günther Präsident der Universität Potsdam. Er übernahm im Dezember 2021 den stellvertretenden Vorsitz von Prof. Dr.-Ing. Eveline Gottzein, die in dieser Rolle die Arbeit der Stiftung für 25 Jahre prägte.