Nachruf – Jörg Schlaich

Die Stiftung Werner-von-Siemens-Ring trauert um Ringträger Jörg Schlaich. Der international bekannte Bauingenieur und lehrende Professor verstarb im Alter von 86 Jahren im Kreise seiner Familie.

Das prägnante Münchner Olympiadach von 1972 stand am Beginn einer langen Reihe herausragender Bauwerke, die weltweit die unverkennbare Handschrift von Jörg Schlaich tragen. Die von ihm konstruierten Türme, Brücken und weitspannenden Dächer zeigen deutlich, dass sich Schlaich den technischen Herausforderungen der Tragwerksplanung gestellt und dabei die Ästhetik nie aus den Augen verloren hat. Auch soziale und ökologische Aspekte waren Teil seines Schaffens. In Würdigung seiner Verdienste als Bauingenieur und Gestalter sowie als Erfinder zukunftsweisender Solar-Aufwindkraftwerke erhielt Jörg Schlaich am 13. Dezember 2002 den Werner-von-Siemens-Ring für sein Lebenswerk.

Am 4. September 2021 verstarb Jörg Schlaich in Berlin. Wir nehmen Abschied von einem herausragenden und wegweisenden Akteur der Bauingenieurskunst.

Geboren 1934 in Stetten bei Stuttgart, absolvierte Jörg Schlaich parallel zum Besuch des nahegelegenen Gymnasiums eine Schreinerlehre. 1953 begann er das Studium des Bauingenieurwesens und der Architektur in Stuttgart und führte es in Berlin fort. Im Anschluss folgte ein Aufenthalt mit Lehrtätigkeit in den USA am Case Institute of Technology in Cleveland, wo er seinen Master absolvierte. Parallel zu seiner Dissertation, arbeitete Jörg Schlaich bereits als Entwurfsingenieur. Nach der Promotion zum Dr.-Ing. 1963 wurde er zunächst Mitarbeiter im Büro Leonhardt und Ändra, Beratende Ingeieure, und ab 1970 Partner des erfolgreichen Unternehmens.

Im Anschluss an seinen Lehrauftrag an der Universität Stuttgart, den er seit 1967 innehatte, wurde er 1974 Nachfolger von Fritz Leonhardt. Bis zum Jahr 2000 war Jörg Schlaich als Professor und Direktor des „Instituts für Massivbau“ tätig, welches durch seine Anstrengungen zum „Institut für Konstruktion und Entwurf“ umbenannt wurde. Ein großer Erfolg von Schlaichs akademischer Arbeit war der Spagat zwischen Wissenschaft und Baupraxis: Seine Erkenntnisse zu Stabwerksmodellen im Stahlbetonbau haben Eingang in die tägliche Baupraxis gefunden und gehören heute zum weltweiten Standard.

Im Jahr 1980 gründete Jörg Schlaich sein eigenes Unternehmen „Schlaich Bergermann Partner“, kurz sbp, das zu den international herausragenden Ingenieurbüros gehört. An Standorten in Stuttgart, Berlin, New York, São Paulo, Shanghai und Paris entwerfen und konstruieren die Teams von sbp leichte Dachtragwerke, Brücken, Türme, innovative Hochbauten und Solarkraftwerke.

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